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Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen
Muslime, die an den Verheißenen Messias und
Imam Mahdi, Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad
Qadiani (as), glauben.

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Islam - Plan des Anstoßes

Datum: 20. Dezember 2013

Die sächsische Metropole möchte gern weltoffen und tolerant sein. In Leipzig soll die erste Moschee in den neuen Ländern gebaut werden. Doch die Proteste gegen das Vorhaben sind heftig.

Said Arif nimmt manchmal auch für kurze Strecken das Auto. Als der junge Imam in Leipzig zu hören bekam, im Islam sei es Frauen verboten, am Lenkrad zu sitzen, bat er seine Frau, zur nächsten Veranstaltung mitzukommen. „Dann konnte sie selbst sagen, dass sie selbstverständlich einen Führerschein hat und mit unserem Auto unterwegs ist. Das hat viel mehr Wirkung, als wenn ich für sie spreche.“

Der Geistliche muss sich gerade vielen Fragen dieser Art stellen. Seine Gemeinde will im Leipziger Stadtteil Gohlis eine Moschee bauen. Es wäre die erste Moschee in den neuen Ländern. Noch ist das vorgesehene Grundstück eine Brache mit vielen Bäumen an einer viel befahrenen lauten Straße nördlich des Stadtzentrums. Said Arif gehört zur Ahmadiyya-Gemeinde. Diese hat deutschlandweit rund 35?000 Mitglieder und wurde in diesem Jahr als erste muslimische Gemeinde in Deutschland als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt. Sie beschreibt sich selbst als reformorientiert, man lehne Gewalt ab und sei für die Gleichstellung von Männern und Frauen, nicht nur beim Autofahren.

Rund 70 Mitglieder hat die Ahmadiyya in Leipzig. Bisher beten sie in einer angemieteten Dreizimmerwohnung. „Jede Gemeinde möchte eine ordentliche Gebetsstätte haben statt einer Wohnung“, sagt Arif. Die Moschee in Leipzig sei wichtig, um „sichtbarer zu werden und nicht im Hintergrund zu leben“.

Seit das Bauprojekt bekannt ist, tobt in dem Gründerzeitviertel eine Abwehrschlacht. Erwartungsgemäß protestiert die NPD, die in Sachsen im Landtag sitzt, lautstark gegen den geplanten Bau. Mit Flugblättern, Pressemitteilungen, Demonstrationen und einem Antrag mit dem Titel „Schöner leben ohne Moscheen“ versucht sie seit Wochen, Stimmung zu machen.

Eine Internetpetition gegen den Bau fand innerhalb eines Monats fast 4000 Unterstützer, auf der Facebook-Seite der Bürgerinitiative „Gohlis sagt Nein“ explodierten die Likes innerhalb kürzester Zeit. Man kann hier vieles lesen über Überfremdung und islamische Unterwanderung, über Politiker, die nicht auf den Willen des Volkes hörten, über die Wertminderung der Grundstücke und Häuser in Moschee-Nähe. Dass das Gebetshaus zwei Minarette haben soll, gilt in der virtuellen Welt der Islamgegner als Beweis für den Welteroberungsdrang der Gemeinde. Auf der Facebook-Seite wurde angeregt, einfach „ein paar Schweine“ über das Gelände zu jagen. Mitte November spießten Unbekannte tatsächlich dort Schweineköpfe auf Holzpflöcke.

„Diese Eskalation des Hasses habe ich nicht vorhergesehen“, sagt Katrin Viola Hartung. Die CDU-Lokalpolitikerin hatte die Petition privat ins Leben gerufen und zunächst mit der Bürgerinitiative Gohlis sympathisiert. Doch je deutlicher deren Hetze wurde, desto mehr sei sie erschrocken, sagt sie. Inzwischen hat Hartung sich von ihren ehemaligen Mitstreitern distanziert. An einer offenen Auseinandersetzung sei ihnen gar nicht gelegen, glaubt sie.

Der NPD-Vorsitzende Holger Apfel hatte behauptet, Hartung werde von ihrer eigenen Partei wegen ihrer Kritik an der Moschee unter Druck gesetzt. „Da standen mir die Haare zu Berge“, sagt die CDU-Frau. Sie wolle nicht länger öffentlich als Moschee-Gegnerin in Erscheinung treten. An der Übergabe der Petition, die sie selbst ins Netz gestellt hatte, werde sie sich nicht beteiligen. Ihre Skepsis gegenüber der Ahmadiyya bleibt jedoch. „Die Fragen etwa zur Zwangsehe und Züchtigung der Frau oder zum Antisemitismus, die ich gegenüber der Gemeinde habe, konnte mir bislang niemand beantworten.“

Die sächsische CDU sucht noch nach einem Kurs in Sachen Moschee: Der Landtagsabgeordnete Robert Clemen stellt zwar fest, Viola Hartung habe „keinerlei Sprachfunktion“ für die CDU in Leipzig und werde „nicht einmal für den Stadtrat aufgestellt“. Doch für eine Moschee erwärmen kann auch er sich nicht. Sie passe „nicht ins Stadtbild“, könne aber „wunderbar woanders“ gebaut werden. Zudem, sagt der Christdemokrat, müsse man eines bedenken: Die Ahmadiyya sei unter Muslimen umstritten – man müsse darüber sprechen, ob mit dem Bau an der Schumann-Straße nicht „der Frieden unter den Muslimen“ gestört werden könne.

Sich wegen der Schweineköpfe an Solidaritätsveranstaltungen mit den Moschee-Befürwortern zu beteiligen – das kommt für Clemen nicht infrage. „Ich werde mich nicht mit Vertretern der Linkspartei auf ein Forum setzen, die vor 23 Jahren alles bekämpft haben, was religiös war.“

Andere haben weniger Probleme mit einem breiten Bündnis. Vertreter der Stadt und der Kirchen, Bürgervereine und andere Parteien wollen gemeinsam die Stimmen der Hetzer übertönen und verhindern, dass das Bild eines fremdenfeindlichen, intoleranten Leipzig um die Welt geht. „Natürlich“ könne die Moschee gebaut werden, stellte Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) fest, die Stadtverwaltung habe „überhaupt keine Zweifel daran, dass die Ahmadiyya-Gemeinde auf dem Grundgesetz“ beruhe. Es gebe keine Basis für eine Ablehnung des Antrags. Für den SPD-Landtagsabgeordneten Holger Mann ist die freie Religionsausübung ein so hohes Gut, „dass dafür auch die atheistische Mehrheit in dieser Stadt“ streiten müsse. Der NPD bescheinigte er, sie sei, verborgen hinter baurechtlichen Einwänden, „so platt islamfeindlich“ und ihr „Antrag so verfassungs- und gesetzeswidrig, dass es quietscht“.

Es habe ihn erschreckt, dass Religion in diesem Streit derart instrumentalisiert werde, sagt der Leipziger Pfarrer Ralf Günther. Viele seiner Gemeindemitglieder verfolgen diese Diskussion wachsam. Gerade ältere Anwohner, so hat er beobachtet, sind skeptisch gegenüber dem Islam und haben Fragen an die Ahmadiyya-Gemeinde. „Die habe ich durchaus auch. Aber eines ist wohl selbstverständlich: Wenn ich als Christ für mich die Religionsfreiheit in Anspruch nehme, dann gestehe ich diese zwangsläufig auch anderen Glaubensrichtungen zu.“

Für manche Vorbehalte gegen die Moschee hat er Verständnis: „Da gibt es viele ältere Leute, die in ihrem ganzen Leben nie unmittelbaren Kontakt zu Muslimen hatten. Die haben einfach Angst davor, dass sich ihr vertrautes und sicheres Umfeld gravierend verändern könnte.“ Nahezu unmöglich sei es, mit denen zu reden, die das Fremde per se als Bedrohung wahrnähmen. „Wenn einer partout darauf besteht, die Moschee passe hier städtebaulich nicht hin und solle bitte schön am Bahnhof gebaut werden, weil es da viel Platz gibt, dann sind Sie irgendwann am Ende der Argumentation.“

Dass man sich der dennoch wieder und wieder stellen müsse, davon ist auch Gerd Klenk überzeugt. Der 64-Jährige ist Vorsitzender des Bürgervereins Gohlis – und ahnte schon früh, dass die Pläne der Ahmadiyya in seinem Viertel für Unruhe sorgen würden. Der Rentner hat als Aussiedlerberater gearbeitet und engagiert sich auch im „Netzwerk Integration“ seiner Stadt. Er weiß aus Erfahrung, dass viele Leipziger nicht so weltoffen und tolerant sind, wie es die Stadt in ihrer Außenwerbung suggeriert.

„Viele haben keine Anknüpfungspunkte an fremde Kulturen, geschweige denn den Islam. Die erleben in ihrem direkten Umfeld keinen einzigen Migranten, alle Informationen, die sie haben, stammen aus dritter Quelle.“ Und es gebe eine große Unachtsamkeit in der Sprache. „Da fallen schnell Begriffe, die rassistisch sind – aber das ist den Leuten häufig gar nicht bewusst. Wenn man diese Leute dann in die rechte Ecke rückt und es ablehnt, mit ihnen zu sprechen, dann treibt man sie in die Arme der NPD.“

57 Prozent der Ostdeutschen fühlen sich durch den Islam bedroht. So war es gerade im Religionsmonitor der Bertelsmann-Stiftung zu lesen. Für diese Mehrheit muss ein Weg gefunden werden, wie sie sich mit einer Moschee vor der Haustür arrangieren kann. Dass die Leipziger Stadtverwaltung sich in ihrer Entscheidung zum Bauantrag von Ressentiments leiten lässt, gilt als ausgeschlossen.

Klenk sieht es als Aufgabe des Bürgervereins, Gespräche zwischen Anwohnern und Moscheegemeinde zu organisieren. „In die offenen Informationsveranstaltungen holen Sie vor allem die Älteren nicht, die skeptisch oder ängstlich sind. Wenn Sie für die aber Treffen organisieren, in denen eine überschaubare Zahl von Gohlisern den Ahmadiyya-Leuten Fragen stellen kann, klappt das gut.“

Deshalb beantwortet auch Said Arif wieder und wieder dieselben Fragen, nach der Frauenfeindlichkeit des Islam und nach dem Verhältnis zur Gewalt. Der Imam ist als Kind pakistanischstämmiger Eltern in Wiesbaden aufgewachsen. Es verblüfft ihn, wie wenig man in Leipzig über seine Religion weiß. „Etwa wenn ich nach meiner Bibel gefragt werde oder Leute davon ausgehen, wir würden die Scharia einführen wollen. Dann wird mir deutlich, dass die Menschen generell wenig Berührungspunkte zur Religion haben. Das allgemeine Image des Islam trägt nicht dazu bei, dass die Vorurteile schwinden.“

Für Unkenntnis und Ängste habe er Verständnis, sagt Arif. Ärgerlich finde er nur, wenn Gegner der Moschee damit argumentieren, die Ahmadiyya-Angehörigen seien keine „echten Muslime“, und so einen vermeintlichen Konflikt der Gemeinden untereinander konstruieren: „Meine Eltern sind aus Pakistan geflohen, weil man sie wegen ihrer Religion angegriffen hat. Nach Deutschland sind sie wegen der Religionsfreiheit gegangen.“

Die Ahmadiyya-Gemeinde erlebt nicht zum ersten Mal Vorbehalte gegen eines ihrer Bauvorhaben. Als sie vor mehr als fünf Jahren eine Moschee in Berlin-Heinersdorf baute, gab es eine Bürgerinitiative, die – mit NPD-Unterstützung – gegen das Vorhaben wütete. „Der Unterschied zu damals ist der, dass wir in Berlin keinerlei Unterstützung hatten und mit dem Rücken zur Wand standen“, erinnert sich Abdullah Uwe Wagishauser, Vorsitzender der Ahmadiyya Deutschland. „In Leipzig ist das anders. Hier gibt es einen funktionierenden Diskussionsprozess, man weiß mit der NPD umzugehen. Das begeistert mich.“

Er hat wohl geahnt, dass die erste Moschee in Ostdeutschland nicht geräuschlos entstehen würde. Irgendwann aber könnte in Leipzig der gleiche Gewöhnungsprozess einsetzen wie im Ruhrgebiet oder in Berlin-Heinersdorf. Kleinigkeiten machen ihm Hoffnung: „Über unsere Gebete in der Dreizimmerwohnung haben sich die Nachbarn noch nie beschwert.“

Hinweis: Dieser Inhalt ist lediglich ein Verweis auf einen extern (nicht auf dieser Website) veröffentlichten Medienbericht. Die Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland übernimmt in inhaltlichen Angelegenheiten zu diesem Artikel keine Verantwortung.

Quelle: Originalartikel lesen

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