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"Narben sind geblieben" - Leipziger besuchen Moschee der Berliner Ahmadiyya-Gemeinde

Datum: 30. November 2013

Berlin/Leipzig. Die Schuhregale im Vorraum der Khadija-Moschee in Berlin-Heinersdorf sind an diesem Samstag gut gefüllt. Denn eine Delegation von 40 Leipzigern ist auf Einladung der Stadt Leipzig zu Besuch, um sich vor dem Hintergrund des geplanten Moschee-Baus in Gohlis über die Ahmadiyya-Gemeinde zu informieren. In der Fragerunde mit Imam Abdul Basit Tariq kommen all die Ängste und Bedenken zur Sprache, die sich um das neue Gotteshaus ranken. Auch in Berlin hatte es bis zur Eröffnung 2008 massive Proteste und auch einen Brandanschlag gegeben, jetzt aber ist die Gemeinde im Umfeld weitestgehend akzeptiert.

Ein Leipziger will wissen, wie die Ahmadiyya-Religionsgemeinschaft auf Provokationen wie die Mohammed-Karikaturen oder den Schweinekopf-Anschlag in Leipzig reagiert. Soll das Minarett die Macht des Islam symbolisieren? Kann man für eine Moschee nicht eine ungenutzte christliche Kirche verwenden, statt neu zu bauen? Muss die Sicherheit der Moschee überwacht werden?

Imam Tariq: „Wir sind im Alltag angekommen“
Der Imam betont immer wieder die Offenheit seiner Religionsgemeinschaft. „Ich würde mich auch vor eine Synagoge oder eine Kirche stellen, wenn sie bedroht ist, um sie zu beschützen.“ In dem schlichten Andachtsraum, der nur von einem kuscheligen Teppich mit orientalischem Muster und dem arabischen Schriftzug „Niemand ist anbetungswürdig außer Allah“ geziert wird, spricht er weitverbreitete Vorurteile direkt an: „Wir wollen keine Parallelgesellschaft aufbauen und auch die Scharia nicht einführen. Steinigung als Strafe bei Ehebruch sehen wir als Unrecht an.“ Er stehe in engem Austausch mit christlichen und jüdischen Kollegen, gemeinsam habe man zum Beispiel ein Fest rund ums Fastenbrechen organisiert. Zwar fahre die Polizei mehrmals täglich an der in einem Industriegebiet liegenden Moschee vorbei, um die Sicherheit der Gemeinde zu garantieren, aber bis auf Kleinigkeiten sei seit der Eröffnung nichts passiert. „Wir sind im Alltag angekommen.“

Die Leipziger sind von der Gastfreundschaft der Berliner Gemeinde beeindruckt, bei einem Mittagessen aus Hähnchen, Reis, Kichererbsen und Salat kommt man sich näher. Martin Linke ist der Mann hinter der Facebook-Seite „Pro Moschee“, die sich gegen die Initiative „Gohlis sagt Nein“ richtet. „Ich wünsche mir einen interkulturellen Dialog und hoffe auf eine Art muslimische Ökumene, also einen Austausch der Ahmadiyya mit anderen muslimischen Gemeinden“, sagt er. Diana Ayeh will für die Grünen für den Stadtrat kandidieren. „Mir war die Diskussion im Bürgerforum neulich viel zu polemisch, die diente eher dazu, Ängste zu schüren, als sie zu zerstreuen. Deshalb wollte ich mich auch an anderer Stelle zum Thema informieren“, sagt die 25-Jährige, die sich allgemein viel mit dem Thema Islam auseinandersetzt.

Martin Klein tritt für die SPD an. „Ich bin Christ, und mich interessiert, was andere glauben. Mein Eindruck von dieser Gemeinde ist, dass sie sehr um den Frieden zwischen den Religionen bemüht ist.“ Walter Kuhn (58) hat in der Leipziger Volkszeitung vom geplanten Ausflug nach Berlin gelesen und sich spontan entschieden mitzufahren. „Fundamentalismus ist eine Frage der Bildung“, sagt er in Bezug sowohl auf rechtsradikale wie auch auf islamistische Strömungen. Wer unwissend ist, tendiere eher zu Radikalismus.

Rat an die Leipziger: „Machen Sie es besser“

Nächste Station ist die benachbarte Grundschule am Wasserturm. Die Direktorin Marina Vogel war damals maßgeblich an den Protesten gegen den Moscheebau in Heinersdorf beteiligt. Sie habe sich um die Rolle der Frau im Weltbild der Ahmadiyya-Gemeinschaft und deren Einstellung zu gleichgeschlechtlicher Liebe gesorgt, erklärt sie. Ihre Vorbehalte gegen ein Gotteshaus in einem Umfeld, in dem gar keine Vertreter dieser Glaubensrichtung wohnen, erinnern an die Kritik einiger Gohliser. Nach einem Hausbesuch bei Imam Tariq und intensiven Gesprächen hat Vogel ihren Standpunkt überdacht, die Heinersdorfer haben die Gemeinde sogar mit einer Menschenkette für die Moschee begrüßt. „Meine Befürchtungen, dass die Moschee unser alltägliches Leben beeinträchtigen würde, haben sich nicht bestätigt. Im Gegenteil, die Gemeinde bringt sich mit Blutspendeaktionen und einem Tag der offenen Moschee ins Dorfleben ein. Es herrscht Normalität.“ Den Leipzigern gibt sie einen Rat mit auf den Weg: „Wir sind damals nicht geschickt vorgegangen, es wurde zu schnell zu sehr polarisiert, und wir wurden in eine rechte Ecke gedrängt. Man hätte das harmonischer angehen können. Machen Sie es besser.“

Frank Basten vom Magistralenmanagement Georg-Schumann-Straße will sich das zu Herzen nehmen: „Diese sehr emotionale Schilderung mit Argumenten für und wider die Moschee war sehr berührend. Narben sind geblieben, auf beiden Seiten. Umso wichtiger, dass wir in Leipzig im permanenten Dialog stehen und den Prozess so transparent wie möglich gestalten.“ Diesen Appell muss die Delegation nun noch weitertragen. Denn von den Leipziger Moschee-Gegnern hat sich keiner in den Bus gesetzt. Es lässt sich eben leichter kritisieren, was man nicht kennt.

Hinweis: Dieser Inhalt ist lediglich ein Verweis auf einen extern (nicht auf dieser Website) veröffentlichten Medienbericht. Die Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland übernimmt in inhaltlichen Angelegenheiten zu diesem Artikel keine Verantwortung.

Quelle: Originalartikel lesen

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