| Moscheebauten - Entgegnung auf Bürgerinitiativen |
Die Ahmadiyya Muslim Jamaat ist eine absolut friedfertige Reformbewegung innerhalb des Islam mit weltweit mehreren zehn Millionen Anhängern in über 189 Ländern. Auch in Deutschland gehört sie mit über 30.000 Mitgliedern und 20 Moscheen zu den größten islamischen Organisationen und ist bereits seit 1957 mit der ersten Moschee der Nachkriegszeit, der Fazle-Omar Moschee in Hamburg, vertreten. Die Ahmadiyya Muslim Jamaat lehnt den radikalen Islamismus und Terrorismus konsequent ab und setzt sich für die Freiheit des Glaubens, die Gleichwertigkeit von Mann und Frau und die Trennung von Politik und Religion ein. Die uneigennützige Arbeit der Ahmadiyya Muslim Jamaat wird auch vom deutschen Staat anerkannt. Der Verfassungsschutz beispielsweise stuft die Ahmadiyya als uneingeschränkt friedlich ein. Aufgrund der langen Tradition in Deutschland und der hohen Mitgliederzahl ist die Ahmadiyya Muslim Jamaat bestrebt, sich in die deutsche Gesellschaft zu integrieren und hält es somit für ihre Pflicht, aus „Hinterhofsmoscheen“ herauszugehen und repräsentative Moscheen zu errichten, um einen aktiven Platz in der Gesellschaft einzunehmen. Dies ruft aber bisweilen den Widerstand einiger Teile der Bevölkerung hervor, der zur Bildung von Bürgerinitiativen gegen den Moscheebau führt. Oft genug werden dann Behauptungen aufgestellt, die haltlos sind und jeglicher Grundlage entbehren. Im Folgenden möchten wir zu einigen solcher Behauptungen Stellung beziehen:
Dafür haben die Bürgerinitiativen zwar keine Belege, nehmen aber an, dass das Khalifat immer auch eine politische Komponente beinhaltet. Tatsache ist jedoch, dass es weder in den Büchern des Gründers der Gemeinde, noch in den Schriften oder Äußerungen der ihm nachfolgenden Khalifen derartige Aussagen zu finden sind, die darauf schließen ließen, dass die Ahmadiyya Muslim Jamaat weltliche und politische Macht anstreben würde. Hingegen gibt es jedoch unzählige Verlautbarungen seitens der Ahmadiyya Muslim Jamaat, das sie eine rein religiöse Institution ist. Zudem ist es auch absurd und schier unmöglich, dass ein Khalif das politische und weltliche Oberhaupt von rund 200 Staaten der Erde sein könne. Nein vielmehr noch ist die strikte Trennung von Politik und Religion, wie sie seitens der Ahmadiyya Muslim Jamaat gelehrt wird, ein weiterer Grund für fundamentalistische Muslime, die Gemeinde zu brandmarken und zu verfolgen. Die Ahmadiyya Muslim Jamaat ist von ihrem Selbstverständnis her eine rein religiöse, spirituelle Reformgemeinde des Islam. Die Ahmadiyya Muslim Jamaat lehrt Loyalität und Gesetzestreue gegenüber der Regierung des jeweiligen Landes. Sicherlich ist es keinem Ahmadi-Muslim verwehrt, im Rahmen der gegebenen Gesetze eines Landes politisch aktiv zu werden. Dies ist das Recht eines jeden Bürgers, unabhängig von Herkunft und Religion. In einer Demokratie ist es beispielsweise nicht nur legitim, sondern im Sinne der Regierungsform ja fast schon eine Pflicht, dass ein Muslim seine Ansichten öffentlich vertritt und mitteilt.
Wer nun anführt, alle Aussagen bezüglich der Loyalität gegenüber dem deutschen Staat, der Gesellschaft, der Demokratie, dem Grundgesetz, der Trennung von Politik und Staat und der Gleichwertigkeit von Mann und Frau seitens der Ahmadiyya Gemeine seien „Zwecklügen“, um der nichtmuslimischen Mehrheit angenehm zu erscheinen, da der Islam die Verstellung und Täuschung gegenüber Nichtmuslimen gestatten würde (sogenanntes: „Taqiya“), dem sei empfohlen, doch einmal nachzulesen, was der Heilige Koran und somit die Ahmadiyya Muslim Jamaat diesbezüglich wirklich sagt. Die angebliche „Erlaubnis zur Verstellung“ bezieht sich ausschließlich auf den Sonderfall, dass jemand angesichts einer Todesdrohung aufgrund seines Glaubens, diesen äußerlich verleugnen darf, um so sein Leben zu retten. Im Heiligen Koran heißt es dazu: „Wer Allah verleugnet, nachdem er geglaubt – den allein ausgenommen, der gezwungen wird, indes sein Herz im Glauben Frieden findet – jene aber, die ihre Brust dem Unglauben öffnen, auf ihnen ist Allahs Zorn; und ihnen wird eine strenge Strafe“ (16:107) Zusätzlich hat der Begründer der Gemeinde in den zehn Bedingungen für die Aufnahme in die Ahmadiyya Muslim Jamaat festgelegt, dass Gemeindemitglieder nicht lügen dürfen und somit die Muslime von seiner Gemeinde ausgeschossen, die anderer Meinung sind! Daher führt unsere Gemeinde weltweit Kampagnen durch, um die Sünde der Lüge zu bekämpfen. Dies geschieht in Übereinstimmung mit dem Heiligen Koran, in dem es ebenfalls heißt: „… meidet das Wort der Lüge.“ (22:31) Und auch der Heilige Prophet Muhammadsaw hat demzufolge die Muslime angewiesen, nicht zu lügen. So heißt es in einem Hadith: Hadhrat Abu Bakrra erzählt, dass der Heilige Prophetsaw sagte: „Sollte ich euch nicht über die schlechteste aller Sünden berichten?“ Wir sagten: „Bitte erzähle, o Gesandter Allahs.“ Der Heilige Prophetsaw sagte: „Allah irgendjemanden zur Seite stellen und ungehorsam sein gegenüber den Eltern.“ Der Heilige Prophetsaw lehnte sich zurück, setzte sich wieder auf und sagte: „Hütet euch davor, Lügen zu erzählen.“ Er fuhr fort, dies so lange zu wiederholen, bis wir wünschten, er würde damit aufhören.“ (Bukhari) Es wäre somit doch wohl sehr widersprüchlich, dass die Ahmadiyya Muslim Jamaat, die beansprucht, der Praxis des Heiligen Prophetensaw zu folgen, einerseits auch „kleine“ Lügen als unmoralisch und unislamisch brandmarkt und lehrt, unter allen Umständen die Wahrheit zu sagen, während sie dann andererseits angeblich das Lügen in solchen wichtigen Angelegenheit, wie im Umgang mit Menschen und in der Politik, erlauben würde. Würde die Gemeinde tatsächlich etwas vortäuschen, dann müsste das irgendwann einmal in der über 100jährigen Geschichte nach außen gedrungen sein. Beispielsweise hat es immer wieder Personen gegeben, die jahrelang aktiv in der Gemeinde tätig waren und dann aber, Gott weiß warum, ihren Glauben verloren haben. Manche von ihnen haben dann sogar die Ahmadiyya Muslim Jamaat zu ihrem besonderen Feind erklärt und durch Publikationen gegen sie in islamisch theologischen Angelegenheiten gekämpft. Aber niemals ist dabei auch nur einmal der Vorwurf gefallen, die Gemeinde würde sich verstellen. Und: wäre „Taqiya“ ein Bestandteil der Lehren der Ahmadiyya Muslim Jamaat, würden doch zumindest gewisse Geheimdienste davon Kenntnis haben. Dies ist aber nicht der Fall. Im Gegenteil ist die Ahmadiyya Muslim Jamaat für ihre Wahrheitsliebe bekannt. Es ist den Experten der Islamwissenschaften bekannt, dass die Lehre der Taqiya nur unter bestimmten schiitischen Gruppierungen befolgt wird. Für den sunnitischen Islam, zu dem sich auch die Ahmadis zählen, besitzt sie absolut keine Gültigkeit. Wenn sie in den sunnitischen Schriften zur Sprache kommt, dann nur zwecks ihrer Widerlegung anhand der authentischen Quellen des Islam. Auch in der Ahmadiyya-Literatur finden sich Widerlegungen der Taqiya, u. a. in dem so genannten „Ahmadiyya Pocket Book“, verfasst von Abdur Rahman Khadim (S. 157ff.), das zunächst 1952 erschien und seither mehrfach nachgedruckt wurde. Wer der Urdusprache mächtig ist, kann sich von dieser Tatsache selbst überzeugen, wenn er in diesem Buch nachschlägt. Es ist auch in Deutschland beim Verlag der Islam erhältlich. Kurzum, das hinterhältige Verstellen und Vortäuschen, sowie Lügen und unterstützen von Lügen ist unislamisch und somit nicht erlaubt, egal ob es sich um Muslime oder Andersgläubige handelt.
Zunächst einmal sei festgestellt, dass das Prinzip des Treuegelöbnisses keine rein islamische Idee ist, sondern in allen Religionen gefunden werden kann. Wenn zum Beispiel Jesusas mit den Worten „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater denn durch mich“ unmissverständlich seine unumschränkte Anerkennung als spiritueller Führer forderte, dann bedeutete das, dass jeder, der ihn als Messias anerkannte, ihm gehorsam zu sein und so zu leben hatte, wie Jesusas es vorlebte. Es gibt zudem keinen einzigen anderen Propheten, der nicht gleichermaßen zu unbedingtem Gehorsam aufrief, von anderen religiösen Lehrern ganz zu schweigen. Worin besteht denn nun der Gehorsam, den ein Ahmadi-Muslim heute, gemäß den Bedingungen, die der Gründer für den Beitritt aufgestellt hat, dem amtierenden Khalifen als Nachfolger des Begründers gelobt? Diese Bedingungen sind in 10 Punkten erläutert, die auf der Rückseite des „Baiat-Formulars“ nachzulesen sind. Alle darin enthaltenen Anforderungen entsprechen den Tugenden eines Muslims (Gottergebenen), wie sie im Heiligen Koran dargelegt werden. Was daran „undemokratisch“ sein soll, ist uns schleierhaft. Die Ahmadiyya Muslim Jamaat hat zudem immer darauf gedrungen, dass ihre Mitglieder den Gesetzen des Staates, in dem sie leben, gehorchen sollen. Ihr Gründer, der Verheißene Messias und Mahdi Hadhrat Mirza Ghulam Ahmadas sagte beispielsweise: „Ein wahrer Muslim, der sich den Lehren seines Glaubens bewusst ist, wird immer aufrichtig und gehorsam gegenüber der Regierung bleiben, unter deren wohltuendem Schatten er sein Leben in Frieden lebt. Religiöse Unterschiede hindern ihn nicht an wahrhaftigem Gehorsam und Gesetzestreue.“ (Tohfa Qaisariya, S. 29) Das Baiat ist ein spiritueller Akt, den, nach den Worten des Heiligen Korans, der Gläubige mit Allah schließt, durch die Hand des von Ihm Bevollmächtigten. Das Baiat enthält daher rein religiöse bzw. spirituelle Vorschriften.
In Wahrheit aber soll das Erziehungsprogramm der Ahmadiyya Muslim Jamaat bestimmten Kindern eine bestmögliche Ausbildung garantieren. Es ist das Recht aller Eltern überall auf der Welt, ihre Kinder so zu erziehen, dass sie ein glückliches Leben führen können, und dass sie an Wissen zunehmen, um den Anforderungen, die die Probleme der Zeit und der Gesellschaft mit sich bringen, einmal gewachsen sein zu können. Von diesem Recht künden nicht nur die verschiedensten pädagogischen Überlegungen, sondern auch entsprechende schulische und universitäre Einrichtungen in unserem Lande, von Elite-Schulen, Internaten und anderen Bildungswegen sowohl allgemeiner als auch religiöser Art mal ganz abgesehen. Im Erziehungsprogramm der Ahmadiyya Muslim Jamaat werden die Maßstäbe sehr hoch gelegt, und die Sorge um die Zukunft und die zu erwartenden Aufgaben veranlassen Eltern wie ehrenamtliche Amtsträger zu vielen Opfern. In der Theorie wie in der Praxis unserer Erziehungsvorstellungen ist indes nichts enthalten, was die Entscheidungsfreiheit des Kindes beeinträchtigte, wenn es mündig geworden ist. Der 4. Khalif der Ahmadiyya Muslim Jamaat, der dieses Programm auf den Weg brachte, hat immer wieder darauf hingewiesen, dass jedes einzelne Kind, das entsprechend den Richtlinien eine Ausbildung durchläuft, dann, wenn es mündig ist, selbst die Entscheidung zu treffen hat, ob es sich fortan weltlichen Aufgaben oder aber religiösen Zielen im Dienste der Gemeinde widmen möchte. Zudem wird innerhalb der Gemeinde eine Diskussionskultur gepflegt, zum einen bei den monatlich stattfindenden Zusammenkünften der Mitglieder in ihren jeweiligen lokalen Gemeinden, zum anderen auf der Ebene unserer Zeitschriften, im Internet und schließlich auch im Rahmen spezieller Debattierkreise und -Wettbewerbe. Jedoch wird in der Ahmadiyya Muslim Jamaat viel Wert darauf gelegt, dass es nicht zu übler Nachrede kommt. Es widerspricht dem Moralverständnis des Islam, dass Muslime Gerüchte verbreiten oder sich gegenüber Dritten abfällig über eine Person äußern. Nach unserer Meinung verletzt dies die Ehre und Würde des Menschen.
So etwas kann man leider nur als Verleumdung bezeichnen. Es ist nirgendwo in der Ahmadiyya Muslim Jamaat festgeschrieben, dass einer ihrer Khalifen aus der Familie des Gründers stammen muss. Die Tatsachen beweisen vielmehr das Gegenteil, denn bereits der erste Khalif der Gemeinde, Hadhrat Alhaj Hakiem Nuur-ud-Dinra, war kein Mitglied der Familie des Begründers der Gemeinde. Zudem hat der vierte Khalif immer wieder sehr deutlich gesagt, dass es bezüglich der Wahl eines Khalifen keine Einschränkungen gibt, was Herkunft und Familienabstammung betrifft. Mit Ausnahme der Bedingung, dass jemand von Jugend an in der Gemeinde gelebt haben muss, um so voll vertraut mit den moralischen und spirituellen Werten, sowie dem Nizam (der Ordnung) der Gemeinde gewesen zu sein, was für die geistige Führung der Ahmadiyya Muslim Jamaat von höchstem Wert, ja, unerlässlich ist. Weiterhin ist es völlig unbegründet, der Gemeinde wirtschaftliche Interessen zu unterstellen. Wenn das so wäre, warum „verdient“ sie dann nicht an den zahlreichen Schulen und Krankenhäusern, die sie zum Beispiel in Afrika unterhält, sondern verfährt vielmehr nach dem Prinzip, dass von den Einnahmen nichts von der Gemeinde selbst genommen, sondern stattdessen alles Verdiente für den weiteren Aufbau gemeinnütziger Einrichtungen, sowie für Stipendien und humanitäre Arbeiten verwendet wird? Warum denn wird also die Gemeinde, beispielsweise, von vielen afrikanischen Staaten für ihr selbstloses Engagement gelobt? Wohl doch auch deswegen, weil kein Cent aus ihrem Einkommen aus ihren Krankenhäusern, Schulen und Brunnen außer Landes fließt, sondern alles den Bürgerinnen und Bürgern des jeweiligen Staates zu Gute kommt. Das Ziel der Ahmadiyya Muslim Jamaat ist nicht Machterwerb, sondern die Befreiung des Menschen von Sünde. Nicht Hass, Gier, Neid und Selbstsucht sollen das Leben eines Ahmadi-Muslims bestimmen, sondern Liebe, Reinheit, Mitleid und Selbstlosigkeit. Dafür ist der Begründer der Ahmadiyya Muslim Jamaat Beweis, Beispiel und Vorbild, und gleich ihm ein jeder unserer Khalifen.
Dabei sei zunächst einmal erwähnt, dass die Ahmadiyya von der korrekten Wortbedeutung her tatsächlich als eine Sekte im Sinne einer Absplitterung gesehen werden kann, eben eine kleine Glaubensgemeinschaft, die sich innerhalb einer größeren Religionsgemeinschaft neu gebildet hat. So wie auch das Christentum zur Zeit von Jesusas eine Sekte im Judentum war. Mit dem negativen Beigeschmack, den das Wort Sekte jedoch heutzutage hierzulande trägt, haben wir nichts zu tun. Dies beweist auch der Umstand, dass wir von den Sektenbeauftragten der beiden großen deutschen Kirchen ebenfalls nie als „Sekte“ bezeichnet wurden. Millionen von Mitgliedern der Gemeinde, die ein Beispiel für hohe Moral, fundiertes Wissen und klaren Geist sind, sind ein Beweis dafür, dass derartige Behauptungen nichts als üble Nachrede sind, die durch keinen einzigen Umstand, weder in Theorie, noch in Praxis der Gemeinde, belegbar sind. Vielleicht deswegen, weil es ein hoher Grundsatz für uns Muslime ist, dem Heiligen Koran zu folgen, der fordert, dass der Mensch seinen Verstand gebrauchen (10:100) und auch anderweitig forschen soll (4:82; 13:2). Personenkult oder die Anbetung eines Menschen oder das Beten zu irgendeinem Menschen ist als unislamische Handlung zu verurteilen. Dies fällt unter Götzendienst (Shirk) und wird von Gott als die größte Sünde angesehen, durch die man sich von Gott am weitesten entfernt. Als die von Gott gegebene spirituelle Führung für die Menschen, haben wir zwar eine besondere Zuneigung zu unserem Khalifen und folgen seinem Beispiel im Guten, jedoch gibt es weder einen besonderen „Kult“, noch eine irgendwie geartete Anbetung diesbezüglich und dabei ist es unerheblich, ob es sich um einen noch lebendigen Menschen handelt oder um einen Heiligen, der bereits tot ist. Falsch ist auch, dass wir unseren Khalifen nicht kritisieren dürften. Vorschnelle Kritik, aus der nur ein Mangel an Wissen über die Tatsachen sichtbar wird, entlarvt den Kritiker als unsachlich. Kritik, nach den Maßstäben, die der Heilige Koran anlegt, verlangt zunächst bestmögliche Selbstkritik. Im Interesse des Allgemeinwohls sollte sie zudem hilfreich sein und, soweit es in der Kraft des Kritikers steht, Verbesserungsvorschläge oder gar Lösungen mit sich bringen. Wenn jemand nicht mit einer Äußerung des jeweiligen Khalifen zufrieden ist, stünde es ihm gut an, sich mit Vertrauten darüber auszutauschen, bevor er sich direkt an den Khalifen wendet. Dennoch steht es jedem Mitglied der Ahmadiyya Muslim Jamaat frei, sich direkt an den Khalifen zu wenden und ihm seine Meinung mitzuteilen.
Diese Behauptung betritt nun endgültig den Bereich der Demagogie. Hadhrat Mirza Ghulam Ahmadas lebte und lehrte, sich „im Dienst an Gottes Geschöpfen nur um Seiner (d.h. Gottes) Willen“ beschäftigt zu halten und sich zu bemühen, „der Menschheit zu nützen nach dem besten der von Gott gegebenen Fähigkeiten und Kräfte“ und „den Geschöpfen Allahs im allgemeinen und Muslimen im besonderen keinerlei Schaden“ zuzufügen, „weder durch die Zunge, noch durch die Hände noch auf für irgendeine andere Art“ (so festgelegt in den Bedingungen für das Baiat bzw. Treuegelöbnis ). Wie eine solche Lehre mit Rassismus und Antisemitismus in einen Zusammenhang gebracht werden kann, bleibt unbegreiflich. In Unkenntnis des Islams setzen einige Bürgerinitiativen antijüdische Ideologien seitens einiger fehlgeleiteter Propagandisten der „islamischen“ Welt, die zumeist politisch ausgerichtet sind, mit den Lehren des Heiligen Korans und des Heiligen Propheten Muhammadsaw gleich, sowie mit den Lehren der Ahmadiyya Muslim Jamaat. Allah sagt mehrfach im Heiligen Koran, dass es unter den Juden solche gibt, die Unrecht getan haben, aber auch dass es viele unter den Juden gibt, die den geraden Weg gegangen sind und gehen. Ein Jude nun ist nicht deswegen gut, weil er ein Jude ist, und deswegen auch nicht schlecht. Demzufolge ist es selbstverständlich erlaubt, Juden zu kritisieren, ohne deswegen gleich als antisemitisch zu gelten, genauso, wie es erlaubt ist, Juden zu loben, ohne deswegen gleich als philosemitisch bezeichnet zu werden. Der Vorwurf wird nicht zuletzt durch das Motto der Gemeinde widerlegt, das da lautet: Liebe für alle, Hass für keinen! Dieses Motto ist nicht nur ein wohlklingender Aphorismus, sondern ein Lebensziel für alle Mitglieder, worum sie sich bemühen sollen. Es ist mithin auch die Zusammenfassung der Lehre der Gemeinde. Einer Gemeinde, die dieses Motto nicht nur propagiert, sondern auch praktiziert.
Dieser Vorwurf bezieht sich auf das Hadith, in dem der Heilige Prophet Muhammadsaw mit den Worten zitiert wird, dass der Verheißene Messiasas „das Kreuz brechen und das Schwein töten“ wird. Gewisse Bürgerinitiativen scheinen nicht zu sehen, dass es sich bei diesem Hadith um ein Sinnbild handelt, mit dem, gemäß den Worten des Verheißenen Messiasas, gemeint ist, dass er durch sein beispielhaftes Leben all jene Verhaltensweisen „tötet“, also entlarvt und für jene, die ihm folgen, unschädlich machen würde, die „schweinische Züge“ aufweisen. Unsittlichkeit, Korruption, Gier, Machtlust, Egoismus können somit als „schweinisch“ bezeichnet werden. Ehrlichkeit und Anstand seitens der Bürgerinitiativen hätten erfordert, die so massiv Kritisierten und Beschuldigten zu hören, was diese selbst zu dem fraglichen Hadith zu sagen haben. Wir hätten ihnen sagen können, dass niemand in der Ahmadiyya Muslim Jamaat jemals Christen als Schweine bezeichnen würde, doch man hielt es scheinbar nicht für nötig, mit uns in Kontakt zu treten. Die Ahmadiyya Muslim Jamaat hat immer wieder dargelegt und dies durch ihre Taten auch bewiesen, dass sie Verhaltensweisen, denen es an Moral und Menschlichkeit mangelt, durch Argumente und Beweise bekämpft, und zwar unabhängig von der Zugehörigkeit des Menschen zu einer Religion oder Rasse. In allererster Linie verweist die Gemeinde darauf, dass körperliche und seelische Reinheit von jedem einzelnen, der von Gott angenommen werden möchte, zu verwirklichen ist. Sympathie für Gottes Geschöpfe, Mitleid für die Menschen, also auch jene, die die Schönheit des Islam verkennen, Hilfsbereitschaft gegenüber allen, die ihrer bedürfen, sind die Wesenszüge, die den Begründer der Gemeinde und alle, die ihm nachfolgen, auszeichnen. Warum gibt es sonst ungezählte freundschaftliche Verbindungen zwischen Ahmadi-Muslimen und Nicht-Ahmadi-Muslimen, Dialogveranstaltungen und herzliche Zuwendung durch Christen oder Juden, Hindus oder Buddhisten oder Andersgläubige? Wie kann denn jemand, der sich mit der Ahmadiyya Muslim Jamaat beschäftigt, diese Tatsachen übersehen oder leugnen? Und bezüglich der Abschaffung des Krieges aus religiösen Motiven heraus wird in dem Zusammenhang auch kein Wort verloren!? Es ist hinlänglich bekannt, dass keinerlei Gewalt seitens der Ahmadiyya Muslim Jamaat propagiert oder gar gefordert wird, sondern das Wort und das Argument auf der Suche nach der Wahrheit sind die Waffen, die seit jeher von der Ahmadiyya Muslim Jamaat gefordert werden. Die knapp 120jährige friedliche Geschichte der Gemeinde ist der absolute Beweis dafür.
Es ist allgemein in der Gemeinde bekannt, dass Chanda, also der Mitgliedsbeitrag, freiwillig entrichtet wird. In der Tat ist es vielmehr so, dass diejenigen, die nur über ein geringes Einkommen verfügen, die Möglichkeit haben, um Befreiung von ihrem Mitgliedsbeitrag zu bitten. Es ist kein Fall bekannt, in dem die Gemeinde dieser Bitte nicht entsprochen hätte. Jedes verdienende Mitglied der Gemeinde bzw. jeder oder jede, die über ein Einkommen verfügt, sollte 1/16 oder ca. 6% vom Netto-Einkommen als Spende an die Gemeinde entrichten. Wer seine „Chanda“ nicht bezahlt, wird deswegen nicht aus der Gemeinde ausgeschlossen. Wenn behauptet wird, dass die Mitglieder statt 1/16 tatsächlich 1/10 ihres Netto-Einkommens bezahlen, dann verwechselt man das schlicht mit dem „Zehnten“, der bei Juden und Christen üblich ist. Ein anderes Thema ist, dass die Möglichkeit besteht, höhere Spenden als die normalerweise üblichen zu entrichten. Diese Möglichkeit wird Wassiyat (Testament) genannt, d.h. wer besondere moralische, aber damit verbunden auch finanzielle Anstrengungen für die Sache Gottes aufbringen möchte, kann sich dem Kreis jener anschließen, die Musi genannt werden. Diese besonders verdienstvollen Mitglieder der Gemeinde verpflichten sich, und erst dann ist es eine Pflicht, neben einem tadelsfreien moralischen und religiösen Lebenswandel, mindestens 1/10, höchstens aber 1/3, ihres Netto-Einkommens zu spenden. Diese Mitglieder verpflichten sich auch, im entsprechenden Prozentsatz der Gemeinde Anteil an ihrem Erbe zu hinterlassen. Dies aber bezieht sich, wie gesagt, nur auf die Musis. In der Regel spenden die Gemeindemitglieder freiwillig 1/16 und sind auch nicht verpflichtet, der Gemeinde etwas zu vererben. Die Aussage, dass generell alle Ahmadi-Muslime 1/10 ihrer Erbschaft der Gemeinde zu überantworten hätten, ist eindeutig falsch. Falsch ist auch, dass Sozialhilfeempfänger verpflichtet seien, 1/10 des ihnen zugestandenen Geldes der Gemeinde zu spenden. Falsch ist auch die Behauptung, dass jedes verdienende Mitglied „einmal im Jahr 10% seines Nettoeinkommens für die Jalsa Salana“, d.h. die Durchführung der Jahresversammlung, zu entrichten habe. Richtig ist vielmehr, dass die Abgabe für die Jalsa Salana rund 0,83 % eines (Netto)-Monats-Einkommens beträgt. Alles bisher erwähnte bezieht sich aber nur auf verdienende Gemeindemitglieder. Frauen, die es vorziehen sich stärker um ihre Familie zu kümmern, müssen selbstverständlich keinen Mitgliedsbeitrag entrichten. Wie ebenfalls erwähnt, können Geringverdiener, die keine Möglichkeit haben, den Mitgliedsbeitrag zu zahlen, um Befreiung von ihrem Mitgliedsbeitrag bitten, der regelmäßig entsprochen wird. All dies wäre durch die Zentrale der Ahmadiyya Muslim Jamaat in Deutschland leicht in Erfahrung zu bringen gewesen, wenn man den Kontakt zu offiziellen Vertretern der Gemeinde nicht gescheut hätte.
Wir haben bereits ausführlich dargelegt, dass die Ahmadiyya Muslim Jamaat kein Khalifat anstrebt, dass das Khalifat von Anfang an als rein religiöse, spirituelle Einrichtung angelegt worden ist, und dass sich ein Khalif der Gemeinde niemals in der Rolle eines politischen Führers gesehen hat, sieht oder sehen wird. In ähnlicher Weise ist die Behauptung zu verurteilen, das Beitrittsformular der Gemeinde enthülle, dass es sich bei ihr um eine „totalitäre Terrororganisation“ handele, die mit einem Vereinsverbot zu rechnen habe. Hat denn die Gemeinde sich nicht von jeher gegen einen gewalttätigen Jihad (es sei denn zur Verteidigung des Lebens) klar und eindeutig ausgesprochen? Verurteilen wir denn nicht allenthalben Terror im Namen Allahs als eine Perversion der islamischen Lehre? Und, sind wir denn nicht gerade wegen unserer Friedensliebe von orthodoxen Geistlichen des Islam zu Ungläubigen erklärt worden? Nein, die Gemeinde muss nicht mit einem Vereinsverbot rechnen, vielmehr ist es so, dass die Gemeinde vom Verfassungsschutz als eine „unbedenkliche“ und „friedliebende“ islamische Gemeinde gesehen wird. Und somit ist es nicht verwunderlich, wenn über die Gemeinde gesagt wird: „Die Ahmadiyya-Muslim-Bewegung ist die einzige moslemische Organisation, die weder über einen politischen noch einen militanten Flügel verfügt.“ (Gill, I./ Backhausen, M.: Die Opfer sind Schuld – Machtmißbrauch in Pakistan, Akropolis Verlag 1994, S. 41-45).
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