| 16.10.2008, Dr. Heidi Knake-Werner, Senatorin (zur Einweihung der Moschee) |
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Grußwort der Senatorin Dr. Heidi Knake-Werner zur Einweihung der Moschee der Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde, Donnerstag, 16.10.2008 Sehr geehrte Damen und Herren, Im Namen des Berliner Senats möchte ich die Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde ganz herzlich beglückwünschen, dass Sie heute dieses schöne Moscheegebäude einweihen können. Ich hoffe, dass dieses Haus dazu beiträgt, die Offenheit und religiöse und kulturelle Vielfalt Berlins noch fester zu verankern und dass Sie als Gläubige hier an dieser Stelle einen würdigen und sicheren Ort gefunden haben, Ihre Religion frei und ohne Ausgrenzung auszuüben. Als alteingesessene Berliner waren Sie als Gemeinde bisher schon lange in Reinickendorf verwurzelt. Und nach mehrjährigen Umzugsplanungen sind Sie jetzt in Pankow angekommen. Auch ein Schritt auf dem manchmal beschwerlichen Weg zur deutschen Einheit. Wer hätte gedacht, dass der Umzug einer Religionsgemeinde ein paar hundert Meter über die Bezirksgrenzen hinweg, für so viel Konfliktstoff sorgen würde. Aber in Berlin lösen kleinere Veränderungen im Kiez manchmal schon mittelschwere Beben aus. Aber heute können wir eine positive Bilanz ziehen, das Gebäude steht, es kann in würdigem Rahmen eingeweiht werden und auch die neuen Nachbarn haben sich zur Begrüßung eingefunden. Den vielen Unterstützerinnen und Unterstützer vor allem in der Initiative „Wir sind Pankow, tolerant und weltoffen“ möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich danken. Durch ihr Engagement haben sie wesentlich mitgeholfen, auch hier im Stadtteil noch bestehende Mauerreste in den Köpfen einzureißen und die kulturelle Vielfalt des modernen Großstadtlebens im Kiez einzufordern. Für mich ist dieser Tag zum einen der glückliche Abschluss einer hitzigen -zum Teil leider sehr unwürdig - geführten Debatte, ob dieses Gotteshaus überhaupt gebaut werden darf und zum anderen auch ein deutliches und sehr erfreuliches Zeichen dafür, dass das ganze Berlin sich zu seiner wachsenden religiösen und kulturellen Vielfalt bekennt. Ich sage es deutlich: Grundrechte, wie das auf freie Religionsausübung werden in unserer Stadt niemals zur Disposition stehen! Nicht zuletzt mit Blick auf unsere Geschichte müssen wir wachsam sein gegenüber allen Versuchen, unter fadenscheinigen Begründungen bestimmten Bevölkerungsgruppen ihre Grund- und Menschenrechte zu verwehren oder sie ihnen nur zum Teil zuzugestehen. Das mag sich jetzt vielleicht ein wenig dramatisch anhören, aber die vergangenen Jahre von der ersten Bauplanung bis heute zur Einweihung der Moschee haben deutlich gezeigt, dass hier tatsächlich sehr viel auf dem Spiel stand und steht. Ihre kleine Gemeinde wurde begleitet von massiven Hass- und Verleumdungskampagnen einiger Moscheegegner, die versuchten, bei den Anwohnern Stimmung zu machen gegen die neuen Nachbarn im Stadtteil. Leider blieb es nicht nur bei verbalen Anfeindungen. Beschämender Beleg dafür waren nicht nur ein Brandanschlag sondern auch Schmierereien und weitere Einschüchterungsversuche. Dass Sie sich nicht haben entmutigen lassen sondern sich trotz aller persönlichen Angriffe und Schmähungen den schwierigen Diskussionen gestellt und sich nicht abgeschottet haben, dafür gebührt Ihnen Dank und Anerkennung. Ich bin froh, dass zum Berliner Stadtbild Kirchengebäude, Moscheen, Synagogen oder Gotteshäuser anderer Religionsgemeinschaften gehören. Dies ist Normalität in unserer Einwanderungsgesellschaft. Alle müssten im Prinzip nur den viel zitierten Satz beherzigen, der Friedrich dem Großen zugeschrieben wird: „Alle Religionen sind gleich und gut, wenn nur die Leute, die sich zu ihnen bekennen, ehrliche Leute sind. Und wenn Türken und Heiden kämen und wollten hier im Land wohnen, dann würden wir ihnen Moscheen und Kirchen bauen.“ Aber zwischen Theorie und Praxis klaffen eben doch oft große Lücken. Natürlich ist der Islam heute ein normaler und respektierter Teil der religiösen Landschaft in Deutschland. Aber so ganz selbstverständlich und unspektakulär ist der Umgang mit den Muslimen und den vielfältigen Richtungen des Islam dann offensichtlich doch noch nicht. Denn, meine Damen und Herren, es ist kein Geheimnis: Bei Moscheebauten schwingen oft ganz andere diffuse Befürchtungen und Sorgen mit. Ein Sichtbarwerden des Islam im Alltag weckt Ängste. So wird befürchtet, eine stärkere religiöse Orientierung könnte zu einem wertkonservativen Rückfall führen und das liberale, emanzipationsfreundliche Klima der Toleranz bedrohen, das gerade eine Einwanderungsstadt wie Berlin prägen sollte. Viele Muslime fühlen sich, manchmal unterschwellig, manchmal sehr drastisch, einem solchen Generalverdacht ausgesetzt. Insbesondere nach dem 11. September 2001 fühlen sich viele in Haftung genommen für einen fundamentalistisch-aggressiven Islam, mit dem sie persönlich nichts zu tun haben. Und da hilft es dann auch nicht, dass Sicherheitsbehörden oder Verfassungsschutz darauf hinweisen, dass im konkreten Fall keinerlei Bedenken etwa gegen die Ahmadiyya-Gemeinde besteht. Ein diffuses „die wollen wir aber hier bei uns möglichst nicht“ bleibt im Raume hängen. Ich fand es beschämend, dass unter denjenigen, die sich zunächst gegen den Moscheebau hier in Pankow ausgesprochen haben, auch einige waren, die an anderer Stelle gern für religiöse oder kulturelle Freiheit eintreten. Dass wie bei jedem anderen Bauprojekt, auch bei Sakralbauten die Bedenken und Einwände der Anwohner berücksichtigt werden, steht dabei außer Frage. Dafür gibt es das Planungs- und Baurecht. Dieses eröffnet aber keine Möglichkeiten, Grundrechte – und dazu gehört nun einmal die freie Religionsausübung – auszuhebeln. Dass niemand die religiösen Überzeugungen der unterschiedlichen Glaubensgemeinschaften teilen muss, steht außer Frage. Dies wäre auch völlig absurd in einer Stadt, in der die Mehrheit der Bevölkerung religiös-konfessionell nicht gebunden ist. Natürlich müssen sich im Rahmen dieser Debatten Religionsgemeinschaften auch kritische Fragen gefallen lassen, inwieweit ihre religiösen Schriften immer im Einklang mit einer aufgeklärten demokratischen Gesellschaft stehen. Das ist völlig normal. Wir leben alle gemeinsam in unserer Stadt und wir müssen andere in ihrer Verschiedenheit akzeptieren und respektieren, dürfen ihnen nicht die eigene Weltsicht oktroyieren, solange die Grundlagen des demokratischen Gemeinwesens nicht gefährdet oder in Frage gestellt werden. Es geht nicht darum, dass wir alle uns gern haben müssten und alles gut heißen müssten, was unsere Nachbarn und Mitbürgerinnen tun. Viel pragmatischer geht es darum, dass sich Menschen an einander gewöhnen, dass sie im Alltag miteinander zurecht kommen. Dafür braucht es gerade in einer oft unübersichtlichen und anstrengenden Einwanderungsgesellschaft auch ein gutes Maß an Gelassenheit. Was mir die Ereignisse um den Bau dieser Moschee gezeigt haben, ist, dass es keine vernünftige Alternative zu einem offenen und vertrauensvollen Dialog gibt. Auf dieser Grundlage ist die Einbindung der Moscheegemeinden in die Stadtteilarbeit in vielen Berliner Stadtteilen bereits erfolgreich gelungen. Auch aus der Arbeit des Berliner Islamforums, in dem unterschiedliche Moscheevereine zusammen mit anderen Glaubensgemeinschaften und Verwaltungsstellen am Runden Tisch anstehende Probleme besprechen, weiß ich, dass Transparenz und offener Umgang miteinander der beste Weg sind das Verhältnis zwischen Muslimen und Nichtmuslimen auf eine solide Basis zu stellen. Ich freue mich, dass sich die Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde diesem Dialog immer gestellt hat. Diese Offenheit und Transparenz wird sich auf lange Sicht auszahlen und ich empfinde es als gutes Zeichen, dass schon für den November Tage der offenen Moschee hier in diesem neuen Gebäude angekündigt sind. Ich bin sicher, dass sich hier in Heinersdorf auf dieser Basis ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis zwischen Gemeinde und Anwohnerinnen und Anwohnern entwickeln kann, wie es in anderen Stadtteilen seit langem besteht. Dafür haben Sie die Unterstützung des Berliner Senats und der überwältigenden Mehrheit der Berlinerinnen und Berliner.
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