| 10.02.2008, Frau Dr. Carmen Everts, MdL Hessen (Aziz-Moschee in Riedstadt) |
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10.02.2008, Frau Dr. Carmen Everts, MdL Hessen (Aziz-Moschee in Riedstadt) Grußwort von Dr. Carmen Everts, Riedstadt (gewählte Direktkandidatin im Wahlkreis 48 für den Hessischen Landtag) anlässlich der Feier 100 Jahre Khalifat der Ahmadiyya Muslim Jamaat am 10. Februar 2008, Aziz Moschee Riedstadt-Goddelau Sehr geehrter Herr Wagishauser, sehr geehrter Imam und Gemeindemitglieder der Aziz Moschee, sehr geehrter Bürgermeister Kummer, meine Damen und Herren, ich danke Ihnen herzlich für die Einladung zur 100-Jahre-Feier des Khalifats der Ahmadiyya Muslim Jamaat. Es freut mich, dass so viele Ihrer Einladung gefolgt sind. Es zeugt von dem Respekt vor Ihrer religiösen Gemeinschaft, die in den zurückliegenden Jahren einen festen Platz in dieser Stadt eingenommen hat, auch wenn viele Riedstädter sicher wenig wissen über die Aziz Moschee. Es zeugt daher sicher bei dem ein oder anderen auch von Interesse, wie bei Ihnen gefeiert wird, wie Ihre Gemeinde lebt. Ein bisschen gesunde Neugier, ein Aufeinanderzugehen und Kennenlernen ist schließlich die Voraussetzung, sich näher zu kommen.
Über 30.000 Menschen gehören zur Ahmadiyya-Muslim-Bewegung in Deutschland und diese Aufzählung zeigt, dass sich die Begegnung mit Ihnen, mit dem Islam mehr als lohnt. Deutschland ist nicht nur längst ein Land der Zuwanderung, die im Übrigen auch mit Blick auf den demografischen Wandel lebensnotwendig ist. Unser Land lebt auch schon längst von der kulturellen Vielfalt. Sie gehört zur Offenheit in der demokratischen Gesellschaft und dies nicht nur im Sinne eines „Es geht nicht ohne“. Gerade das Wirken der Ahmadiyya zeigt, wie andere religiöse Einflüsse, ein friedlicher, sozial engagierter Islam auch unsere traditionell eher christlich geprägte Gesellschaft bereichern kann. Es gibt doch viele Berührungspunkte zwischen den Religionen, gerade in ihrem Verständnis von Nächstenliebe. Deswegen – das will ich nur wenige Tage nach einem aus meiner Sicht zum Teil unerträglichen Landtagswahlkampf sagen – sollten wir nicht immer das Trennende zwischen den Kulturen betonen, ja schlimmer noch: dieses für politische Zwecke auch noch instrumentalisieren. Wer dies tut, handelt gegen die Zukunft, gegen den Frieden in der Gesellschaft. Wir sollten stattdessen gemeinsam Brücken bauen. Das heißt auch, da hin zu schauen, wo es Probleme gibt, wo Kinder, ob aus Migrantenfamilien oder deutsche, Schwierigkeiten haben beim Schulabschluss oder bei der Ausbildungsplatzsuche, wo es Integrationsprobleme gibt. Aber eben in der sachlichen Diskussion mit den Menschen, nicht über sie. Wir brauchen nicht tiefere Gräben, sondern mehr Brücken. „Versöhnen statt Spalten“ hat dies Johannes Rau, unser früherer Bundespräsident genannt. Die Ahmadiyya sind wie andere liberale Muslimgemeinden und unsere christlichen Kirchen im besten Sinne Brückenbauer mit ihrem gesellschaftlichen Engagement, mit ihrem Bildungs- und Sozialangebot gerade auch für Jugendliche und Familien. Über dieses verbindende Wirken der Religionen für unser Gemeinwesen hier im Kreis konnte ich mich in den zurückliegenden Wochen auch bei Besuchen in den Moscheen und Kulturzentren in Groß-Gerau und Mörfelden überzeugen. Und daher bin ich heute auch gerne zu Ihnen gekommen. Ich gratuliere Ihnen herzlich zu Ihrem 100-jährigen Khalifat. Ich wünsche Ihnen und Ihrer Gemeinde, ihrem Wirken, Gottes Segen und Glück. Und in unser aller Sinne viele offene Begegnungen und ein wachsendes Miteinander in dieser Gesellschaft. Gerne will ich als Wahlkreis-Abgeordnete in den kommenden Jahren meinen Beitrag dazu leisten und biete Ihnen einen fortlaufenden Dialog an. Dr. Carmen Everts
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So manchem Ihrer Gäste wird es wie mir gegangen sein: 100 Jahre Khalifat ist eine Feier, ein Begriff, der einem als Nicht-Muslima im ersten Moment fragen lässt: Was verbirgt sich dahinter. Sie haben ja dankenswerter Weise schon in der Einladung eine Erläuterung beigelegt. Wer sich ein wenig informiert, findet viel Interessantes über die Ahmadiyya Muslim Gemeinde. Über Ihre Geschichte und Ihre Khalifen, über Ihre Grundhaltung, die eine Verquickung von Politik und Religion ablehnt, über Ihr Verständnis des Islams als Religion des Friedens und der Harmonie, Ihr konsequentes Eintreten gegen Fundamentalismus, religiösen Fanatismus und Intoleranz, Ihr Eintreten für die Wahrung der Menschenrechte und die Gleichwertigkeit zwischen Mann und Frau, über die Krankenhäuser und Schulen der Ahmadiyya-Bewegung und Ihr soziales Engagement, das Sie ja auch in dieser Gemeinde und im Kreis einbringen und das wir schon an verschiedenen Stellen erleben durften.