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14.08.2009, Grusswort von Burkhard Müller-Sönksen, MdDB zur Jahresversammlung der AMJ

Grußwort von Burkhardt Müller-Sönsksen, Mitglied des Deutschen Bundestages
Anlässlich der Jahresversammlung der Ahmadiyya Muslim Jamaat


 
Sehr geehrter Kalif Hadhrat Mirza Masroor Ahmad,
sehr geehrter Amir Abdullah Uwe Wagishauser,
sehr geehrte Damen und Herren,

ich danke Ihnen herzlich für die Einladung zur Jahresversammlung Ihrer Gemeinde
und bedauere zutiefst, dass es mir nicht möglich ist persönlich zu erscheinen. Seien
Sie aber versichert, dass ich das Wirken Ihrer Gemeinde mit höchster
Aufmerksamkeit verfolge.

Erlauben Sie mir aber zunächst ein persönliches Wort. Für mich als FDPBundestagsabgeordneter
aus Hamburg ist der interreligiöse und auch interkulturelle
Dialog eine große Bereicherung. Gerade diese Vielfalt hat Hamburg über alle
Grenzen hinaus bekannt gemacht und geprägt.

Somit ist der Integrationsgedanke für mich als Hamburger, Liberaler und als
Menschenrechtspolitiker so wichtig.

Als islamische Reformgemeinde betonen Sie Werte wie Barmherzigkeit und
Gerechtigkeit. Ebenfalls setzen Sie sich ein für die Gleichberechtigung von Mann
und Frau, sowie für die Trennung von Religion und Staat. Damit leisten Sie einen
wichtigen Beitrag zur Integration. Ebenfalls zeigt dieses den liberalen und
progressiven Charakter der Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland.
Für mich als Menschenrechtler sind diese Bekenntnisse eine große Freude.

Für Ihr Engagement ist Ihnen die FDP sehr dankbar. Ihrem unermüdlichen Einsatz
für ein friedliches Miteinander in Deutschland - unabhängig von Kultur, Herkunft,
Hautfarbe oder Religion - zollen wir großen Respekt.
Wie sehr wir von Ihnen profitieren, erfahren wir immer wieder aufs Neue in diesem
wechselseitigen Prozess, den wir Integration nennen. Ja, Deutschland ist ein
Zuwanderungsland – und das ist auch gut so.

Uns Liberale verbindet mit der Ahmadiyya Muslim Jamaat - Gemeinde in
Deutschland eine grundsätzliche Werthaltung, wo Menschenrechte wie die
Glaubensfreiheit ganz zentral sind. Unser Grundgesetz garantiert Glaubens- und
Gewissensfreiheit für alle und bildet damit die Grundlage für das Zusammenleben
der verschiedenen Religions- und Glaubensgemeinschaften. Die FDP im Deutschen
Bundestag fordert von allen Bürgern die Anerkennung des Grundgesetzes, das die
Freiheit zur Entfaltung des Glaubens zusichert.

Der Staat gibt den Religionsgemeinschaften keine Richtlinien für ihre theologischen
Inhalte und Entwicklung vor, sondern schafft durch Kooperation den Rahmen für ihre
freie Entfaltung. Der persönliche Glaube ist und bleibt Privatsache.
Die liberale Bürgergesellschaft ist geprägt von Religionsfreiheit und der freien
Entfaltung aller Religionsgemeinschaften. Sie ist offen für alle Glaubensrichtungen,
die die gesellschaftlichen Grundwerte anerkennen. Gleichzeitig verteidigt sie die
Freiheit, einen persönlichen Glauben zu leben und sich dazu öffentlich zu bekennen
oder nicht zu bekennen. Toleranz und Respekt vor Glaubensüberzeugungen des
Anderen bilden die Grundlage für dieses Miteinander.

Religionsgemeinschaften leisten einen positiven Beitrag zur Gestaltung des
Zusammenlebens in der Gesellschaft. Immer noch bestehende Vorurteile gilt es
abzubauen. Häufig bildet Unwissen den Nährboden für Vorurteile. Deshalb setzen
wir uns auch für flächendeckenden Islamunterricht an Schulen, sowie für die
Ausbildung von islamischen Geistlichen in Deutschland ein. Es ist Aufgabe der


Länder, in den jeweiligen Lehrplänen für Curricula zu sorgen, die Vorurteile
gegenüber Religionen abbauen, indem sie umfassend über diese informieren. Dabei
müssen auch für nichtkirchliche Religionen rechtliche Regelungen gesucht werden,
die dieses ermöglichen und im Einvernehmen mit den betroffenen Religionsgemeinschaften stehen.

Viele Mitglieder von Religionsgemeinschaften engagieren sich auch politisch und
prägen so die demokratischen Entscheidungsprozesse. Die FDP im Deutschen
Bundestag steht im engen Austausch mit allen in Deutschland vertretenen Religionsund
Glaubensgemeinschaften. Viele Liberale sind persönlich religiös engagiert.
Liberale treten für die Umsetzung der Werte des deutschen Grundgesetzes in der
Außenpolitik ein. Das friedliche Zusammenleben von unterschiedlichen Kirchen- und
Religionsgemeinschaften kann auch international nur auf der Basis von
Menschenrechten und Glaubensfreiheit erfolgen. Menschenrechte haben für Liberale
universelle Geltung. Liberale Außenpolitik ist wertgebunden und strebt ein friedliches
Miteinander der Weltreligionen an.

Ich wünsche Ihnen für Ihre Jahresversammlung, die Jalsa Salana, alles erdenklich
Gute. Ich hoffe, dass es ein Fest der Freude, voll wertvoller Begegnungen,
fruchtbarer Vorträge, Gespräche und Diskussionen sowie gemeinsamer geteilter
Erfahrungen im Gebet und im Austausch miteinander wird. Gerade in Zeiten in
denen Religionen auf das schändlichste missbraucht werden, sind es solche Feste,
die getreu Ihrer Losung „Liebe für alle, Hass für keinen!“ ein starkes Signal für ein
friedliches Miteinander setzen.
 
 

Ihr BURKHARDT MÜLLER-SÖNKSEN
Mitglied des Deutschen Bundestages

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